Wolfgang Lüchtrath. Heute kann ich mir vorstellen, dass es mehr als die offiziellen Rückenprobleme waren, die ihn 1989 mit der Comedy aufhören ließen, obwohl er zu den Wenigen gehörte, die Möglichkeiten und Beziehungen genug hatten, in die Riege der Spaßmillionäre aufzusteigen.
Man macht sich so schnell unbeliebt, wenn man die Fragen stellt.
# Der Vorsitzende der Internet-Enquete des Bundestags verlangt eine Klarnamenpflicht im Netz: Nutzer sollen im Web „mit offenem Visier“ diskutieren, findet Axel E. Fischer und erntet Spott. Würde man Fischers Forderungen fürs Netz auf die Kneipe übertragen, müssten dort alle mit einem Namenschild herumlaufen. Sie würden beim Biertrinken ständig gefilmt und all ihre Äußerungen könnte man unter ihrem Namen später im Kneipenarchiv im Web abrufen. Das würde die Umgangsformen in einer Kneipe womöglich verbessern, vorausgesetzt, es käme überhaupt jemand zum Trinken an einen solchen Ort.
Während Otto Preminger mit Deborah Kerr, David Niven, Jean Seberg und Mylène Demongeot „Bonjour Tristesse“ nach Françoise Sagan (die Charlotte Roche der 1950erjahre) dreht, dreht Peter Graves („Mission Impossible“) das hier:
It Conquered the World (1956)
Liebe Brexit-Demagogen. Ein guter Deutsche Politiker in Eurer Situation würde sich jetzt ein Zimmer in einem Genfer Hotel nehmen und ein Bad einlaufen lassen.
Auf einem ersten Probenfoto zu seinen Londoner Farewell-Auftritten im Juli in London sieht Popstar Michael Jackson seltsam angespannt aus: hier das Bild bei Spiegel Online.
ZEITmagazin: Wie ist er eigentlich gestorben?
Aria Ungerer: Ganz plötzlich, ich habe ihn gefunden. Er hatte sein Notizbuch auf der einen Seite und ein Buch auf der anderen Seite. Und er lächelte. Er hatte immer davon geträumt, genau so zu sterben. Das tröstet mich. Aria Ungerer im SZ-Interview
Herzlichen Glückwunsch, Tomi Ungerer, wo immer Du heute bist und in doppelter Ewigkeit feierst, denn Dein erster Geburtstag im Nichts ist Dein 88. Sláinte! À la tienne! Prost!
Der Spiegel will schreiben, was Sachsen und Thüringer wirklich bewegt, zwei Tage bevor sie mehrheitlich Nazis wählen werden. Auf den Link geklickt sehe ich zwei hochdruckrote Suffköppe; Einer saugt Zigarettenrauch ein, beide sind in Reichskriegsflaggen gehüllt. Ich will schon nicht mehr wissen, was die beiden wirklich bewegt.
„Es ist hart von Hartz IV zu leben, verheerend jedoch ist das Gefühl der Ausgegrenztheit. Dieses Gefühl wird durch die Konfrontation mit dem verstärkt, das Macht und Luxus derjenigen betont, die zentral in der Gesellschaft stehen.“
Schön, was? Stand in der Süddeutschen Zeitung.
Die Süddeutsche Zeitung zu lesen, so der Stuttgarter Journalist Günther Kress, sei pures Vergnügen. Geht an. Meistens.
Als nicht vergnüglich konnte man ansehen, dass sie die innovative Beilage „jetzt“ unter dem Vorwand finanzieller Probleme einstellten um kurz darauf die doppelt so dicke reaktionäre Beilage „Golf spielen“ nach vorn zu bringen.
Als ebenfalls nicht sonderlich vergnüglich kann man es ansehen, wenn relative Personen der Zeitgeschichte – wie etwa abgehalfterte Tennisspieler mit Wortfindungsstörung – in fast kultischer Verehrung seitenweise interviewt werden, und das ausgerechnet zu dem Thema, in welchen Frauen sie mit ihrem erigierten Dödel lustlos herumgestochert haben.
Neuerdings gewähren sie Autoren von Leitmedien wie „Vanity Fair“ und „Matador“ im Magazin publizistisches Asyl.
Und zur Verstimmung am Sonntag kann es führen, wenn eine Journalistin im großen Interview der Wochenendbeilage über sechs Spalten schwärmen darf, dass für sie die Neureichen die größte kulturelle Kraft darstellen, die wir haben.
„Verheerend ist das Gefühl der Ausgegrenztheit. Dieses Gefühl wird durch die Konfrontation mit dem verstärkt, das Macht und Luxus derjenigen betont, die zentral in der Gesellschaft stehen.“
Stand in der Süddeutschen Zeitung.
PS: Dass der Spiegel nach dieser Woche voller SZ-Enttäuschungen mal wieder mit seinem Lieblings-Covergirl Adolf Hitler auf dem Titel Quote holen will, passt irgendwie ins Bild.
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
