Harold Lloyd mixing a drink in „Ring Up the Curtain“ (1919 mit Harry „Snub“ Pollard und Bebe Daniels)
Charlie Chaplin mixing a drink in „The Rink“ (1916)
Prost!
Freunde kommen immer wieder und reden Tacheles. Bekannte verschwinden immer wieder mit den Worten: „Du hörst von mir.“
1994 war der Schauspieler Patrick Stewart Gastgeber der Mutter aller Comedyshows: Saturday Night Live. Schon in seinem Standup-Monolog bewies er Exzellenz in Sachen Selbstironie. Als er dann auch noch in einem Sketch seinen Part als Enterprise-Captain Jean-Luc Picard aufnahm und seine Paraderolle in kurzen Hosen als Kapitän des „Traumschiff Enterprise“ parodierte, flogen ihm die Herzen des Publikums zu. Das „Traumschiff“ heißt in Amerika „Love Boat“ und natürlich ist das erfolgreiche deutsche Format nur die wiedergekäute Grütze des amerikanischen Originals. Aber das nur am Rande. Film ab.
My boomer life began with the hope of the post-war generation. Now mobsters are presidents everywhere and a single human being can threaten humanity with extinction. WTF!
Noch in den 1980er-Jahren erfuhren wir das Neuste aus der Welt bestenfalls einmal pro Stunde aus dem Radio und aus dem Fernsehen zwei- bis dreimal am Tag zwischen 16 Uhr und Mitternacht.
Vor allem wurde das Neuste aus der Welt aufbereitet von Fachleuten dafür: von Journalisten.
Wir vertrauten den Journalisten und die Journalisten erstellten ihre Berichte basierend auf einem strengen Kodex und Selbstanspruch in Sachen kompetenter Ausgewogenheit. Diese Grundprinzipien lernten wir sogar in der Schule als Muster für Aufsätze im Deutschunterricht: Wir lernten, dass es um ein ausgewogenes Auflisten der Fakten geht, dann um die Beschreibung der Vor- und Nachteile unterschiedlichen Handelns auf Basis dieser Fakten, und schließlich um ein alle Vor- und Nachteile berücksichtigendes Resümee. Ganz am Ende war es erlaubt, kurz seine eigene Einstellung zum Thema zu erläutern – kurz und entsprechend gekennzeichnet.
Ohne Vertrauen geht nichts. Vertrauen wird immer wieder diskreditiert, indem es mit blindem Gehorsam gleichgesetzt wird. Und das Berichten mit Manipulation. Das wiederum nennt man Propaganda. Propaganda diskreditiert Kompetenz, hasst Ausgewogenheit und besticht allein durch Lautstärke – so wie Ray Bradbury es in seinem Roman Fahrenheit 451 einen Feuerwehrhauptmann formulieren lässt: „Wenn das Theaterstück schlecht ist, der Film schwach, das Hörspiel nichtssagend, dreh die Lautstärke höher.“
Die Lautstärke besorgen die sozialen Medien. Am Knopf drehen Algorithmen und Bots – die Werkzeuge derer, die Vertrauen missbrauchen und zerstören.
2026 ist der Roman Fahrenheit 451 in den USA als Schullektüre und in öffentlichen Bibliotheken verboten.
Noch in diesem Jahr – Millowitsch-Theater schließt früher als geplantwz.de
Mal nicht so pathetisch. Das Theater am Rudolfplatz existiert weiter, da schließt nix. Millowitsch hat bloß nicht genug eingespielt, um die Miete zu zahlen, Ende vom Lied: er mietet es nur nicht mehr und macht die Bühne frei für seine Kumpels, die dort ein Stück inszenieren mit, ja wem wohl – Millowitsch. Das gibt es nur in Kölle: es wird groß geflennt und dann bleibt alles beim Alten. Alaaf!
What was sent to the soldier’s wife / From the far-off Russian land? / From Russia he sent her a widow’s veil / For her dead to bewail in her widow’s veilBrecht/Weill: Ballade vom Weib und dem Soldaten
[amazon box="B086Z7X3PV" /]Über 80 % der bei uns Schutzsuchenden kommen aus der Ukraine und aus Syrien. Die durch in diesen Ländern entfesselte Kriege provozierten Flüchtlingswellen stärken in den Gastländern rechte, autokratiefreundliche Dumpfbacken. Dass Deutschland auf dieses zynische Kalkül reinfällt, ist peinlich.
Bei Mek gefunden, dieser Fragebogen. Ui, den beantworte ich jetzt auch mal. Und Dir lieber Mek, danke für das Kompliment hier in Deinen Antworten versteckt. Meine Antworten seien dann auch zuerst mal Dir gewidmet – und dann dem Rest der elektrischen Leserschaft. Chin!
- Was ist dein liebster Drink?
- Ich habe keinen „Immer-Drink“. Im großen und ganzen mag ich es durchaus gern hochprozentig aber nicht (immer) so, dass der Alkohol einen wie ein ganz linker Haken in den Clubsessel haut.
- Ich mag es fruchtig, aber nicht die prollige Süße von Strandbar-Mai-Tais und Club-Schlüpferstürmern, die der Sohn Sex on the bitch ausspricht. So mag ich den Gimlet, gebe Gin und Lime Juice aber immer noch einen Dash frisch gepresster Limette bei. Ich ziehe den Gin Fizz dem Collins vor und Gin Tonic mit Tanqueray liebe ich mit Limette, mit Hendrick’s dagegen mit Gurke. Mit 12 Monkeys und Alexander von Eisenhart Rothe’s Ibiza-Gin trinke ich den Gin Tonic am liebsten ohne Tonic. Mit meiner Frau trinke ich gern Negronis, denn wir lieben auch Campari.
- Ansonsten geht nichts über ein eiskaltes herbes Pils oder ein blondes Leffe, wenn ich richtig durstig bin. Oder eine große Flasche Wasser in einem Zug unter mediterraner Sonne. Ja, es ist wohl das: mein liebster Drink ist immer der, den ich durstig trinke.
- Wann hast du das erste mal Alkohol getrunken?
- Irgendwann mit sechzehn, siebzehn. Ein halbes Glas Rotwein. War sofort hackedicht und fand es lustig, wie sich alles drehte. Es war so eine „meine Eltern sind übers Wochenende weg, kommt alle, wir feiern bei mir“-Party. Ich unterhielt mich, sitzend auf einer dieser freischwebenden Mahagoni-Eigenheimtreppen, die man damals so hatte, in lallender Bedeutungstrunkenheit mit einem Kumpel aus der Klasse über das pro und contra der Kriegsdienstverweigerung.
- Welchen Drink hast du am meisten bereut?
- Eine halbe Flasche Raki bei und mit Hasan im Kölner Simrock’s 1997. Ich war danach drei Tage krank. Aber die Nacht war schön. Wir saßen an der Theke, er dahinter, ich davor, waren die letzten, denn setzt sich mit der Flasche zu mir. Bogartesk. Wir schauen durch die offene Tür auf die Straße raus, draußen knallte, hell erleuchtet von der weißen Straßenbeleuchtung, ein Gewitter samt nichtendenwollendem Platzregen auf den sommerheißen Asphalt und wir redeten im Atem dieser Trunkenheiten, in dem man sich die ganze Welt und das Universum gleich mit erklärt. Für diese Räusche gilt die Faustregel: wenn Du denkst „och die Flasche kann noch, ich fühl‘ mich so gut, DIESMAL bekomm ich bestimmt keinen Kater“, dann bekommst Du ganz sicher einen Kater. Wie gesagt: ich war drei Tage wirklich krank; am zweiten Tag konnte ich das Bett wieder verlassen und Raki trink ich seitdem nicht mehr. Außer vielleicht, wenn Hasan fragt. Aber der hat ja den Laden dichtgemacht und arbeitet als wieder als Schneider.
- Bar oder Kneipe?
- Früher Kneipe, exzessiv – oft gehörte ich als trinkender Zeichner zum Inventar. Heute habe ich eine gut ausgestattete Hausbar. Ansonsten heutzutage auch beim Rausgehen: Bar. Gern so entspannt wie in Kneipen, was ich aber leider selten finde, denn es gibt in Deutschland keine Barkultur, die es erlaubt, sich so entspannt durch eine Cocktailkarte zu trinken, wie man hierzulande in Kneipen Bierfässer leersäuft. Und wenn es sie gibt, dann selten ohne Snobismus oder die komplette Unkultur von Menschen, um deren Intelligenz und soziale Kompetenz es umgekehrt proportional zum gut gefüllten Geldbeutel bestellt ist. Deswegen trinke ich gern zuhause. Mit meiner Frau und meinen Freunden. Mit Stil und mit Wonne. Ach ja: beim Rausgehen muss meine Bar rauchfrei sein, ich ertrage keinen Qualm mehr, seit ich nicht mehr rauche mit Wonne ein sehr militanter Nichtraucher. Aber rauchfrei ist auch wirklich ganz großartig, denn man muss beim Trinken gar nicht rauchen, das ist genauso ein Gerücht wie das mit der Zigarette nach dem Essen oder dem Sex – das ist eine sehr entspannende Erfahrung nach jahrelangem eigenem Gerauche.
- Champagner oder Schaumwein?
- Ein Crémant aus dem Elsass ist immer ein Vergnügen. Und die Veuve Clicquot für Weihnachten, Geburtstag und Silvester.
- Mit wem würdest du gerne trinken?
- Draußen? Mal wieder mit Edith und Pascual am Piratabus auf Formentera ein San Miguel. Sonst? Mit meiner Frau abends den Aperitif. Und viel öfter mit Freunden, die ich so gern beim Essen in der heimischen Bar-Küche betrunken mache.
- Bei wem würdest du gerne trinken?
- Bei Nino im Kölner Schmuck-Kästchen vor 20 Jahren (beide verschwunden). Oder mit Freunden und meiner Frau bei mir.
- Wie sieht deine Home Bar aus?
- Immer differenzierter. Irgendwann stellte ich fest, dass ich mehrere Sorten Gin, Rum und Wodka hatte und mehr Sirupsorten als ein gutsortierter Kindergarten. Irgendwann war eine Schublade des Tiefkühlschranks für Eiswürfel reserviert, irgendwann fing ich an, meine Gläser vorzukühlen.
- Beschreib deine Eiswürfel.
- Sie kommen aus der Maschine in der Wand und sind aus für mich importiertem schottischen Felsquellwasser. Quatsch. Diese Riesen-Säcke der METRO-Hausmarke. Zylindrisch, Loch in der Mitte. Im Tiefkühlschrank, wie gesagt.
- Was ist deine Gin-&-Tonic-Empfehlung?
- Je hochprozentiger desto Limette, je fruchtiger desto Zitrone. Immer sehr kalt und gern mit vielen Eiswürfeln und einem Extra-Dash der jeweiligen Zitrusfrucht im Ballonglas.
- Wie bekämpfst du deinen Hangover?
- Ausschlafen. Und Aspirin. Faustregel: je besser Aspirin schmeckt, desto nötiger hast du es. Ich halte nichts vom Konterbier. Das hängt auch damit zusammen, dass ich eine natürliche Abneigung dagegen habe, wenn es hell ist, Sachen mit Alkohol zu trinken. Außer im Urlaub. Gin Tonic am Pool und Bierchen beim Wochenend-Ausflug in den Spreewald sind okay. Aber ich schweife ab.
- Was ist dein liebster Drink?
Wie BILD das Bild von Andreas Lubitz zeigt, aber beschließt, es nicht zu verstehen.
Wir haben es mit einem Mann aus der Mitte unserer Gesellschaft zu tun, der als Figur des Grauens, als bisher größter deutscher Verbrecher des (jungen) 21. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen wird. BILD
Bullshit, BILD. Wenn Kranke in Positionen rücken, in denen es in der Natur ihrer Krankheit liegt, dass sie nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere eine Gefahr sind, dann ist nicht der Kranke der Verbrecher, sondern wer auch immer dafür verantwortlich ist, dass der Kranke in diese Position gelangen konnte.
Ein Verbrechen vielleicht, grob fahrlässing in jedem Fall ist es, wenn psychologische Eignungstests für Piloten unzureichend sind, ein Verbrechen vielleicht, grob fahrlässing in jedem Fall ist es, wenn die in großen Teilen der Luftfahrtwelt bereits übliche Regel, welche vorschreibt, dass immer zwei Personen im Cockpit sein müssen, nicht gilt und wenn all das begünstigt, dass ein psychisch Kranker seine Krankschreibung zerreißen, als Copilot in ein Linienflugzeug steigen, den Piloten aus der Kanzel aussperren und sich mit 149 anderen Menschen ungespitzt in einen Berg fliegen kann.
So sieht das aus, BILD. Und Du weißt es. Klingt aber natürlich nicht so gut wie demagogisch-pathetisches Gefasel vom größten Verbrecher des 21. Jahrhunderts, klar.
Mein zukünftiger Stiefsohn sagt, ich sei „Folk“. Folk ist im Französichen ein Wort mit der Wertigkeit von „alter Sack“. Folglich höre ich Folkmusik, also „alter-Sack-Musik“. Eins ist klar: so schleimt man sich nicht fürs erste Piercing ein. Sondern muss ein richtiges Stück Alter-Sack-Musik hören – oder um es mit dem Hasen Cäsar zu sagen (auch er unrettbar Folk): Biddeschööööön ;-)
Here we stand
Face the future
They say you live and you learn
Got no time
For reflection
Your bridges started to burn.
That was then this is now
That was then this is now
That was then this is nowYou’ve been there,
And you’ve done it.
Had your back to the wall
In the race,
And now you’ve run it
It doesn’t matter at all.That was then this is now
That was then this is now
That was then this is nowDon’t look back,
And don’t you worry
You can’t live for yesterday
Open door
Into tomorrow
You have to take it and break away.That was then this is now
[Barclay James Harvest featuring Les Holroyd „That was then this is now“ vom Album „Revolution Days“ (2002).]
That was then this is now
That was then this is now
Sven K. – JournalSven Knoch2026-09-14T02:38:49+02:00
